Europatag
Europatag 2026 in Kleve: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Mittelpunkt
Paul Remy als „Grenzlandeuropäer 2026“ ausgezeichnet
Kleve. Unter dem Motto „Europa im Wandel“ stand am 9. Mai 2026 der Europatag der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus der Grenzregion Nijmegen–Kleve in der Stadthalle Kleve. Zahlreiche Gäste aus Deutschland und den Niederlanden nahmen an der traditionsreichen Veranstaltung teil, die zugleich das 15-jährige Bestehen des grenzüberschreitenden Netzwerks „Overleg Sociaal Democraten grensregio Nijmegen–Kleve“ würdigte.
Grezüberschreitendes sozialdemokratisches Netzwerk im Jahr 2011 gegründet
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Kleve, Dr. Jürgen Bock. Die Moderation übernahm Max van Tongeren von der niederländischen Partei GroenLinks-PvdA. Musikalisch begleitet wurde der Nachmittag eindrucksvoll von Tabea Frauenlob.
In seiner Begrüßung erinnerte Dr. Bock an die Entstehung des grenzüberschreitenden sozialdemokratischen Netzwerks im Jahr 2011 auf der Homüschenmühle in Keeken. Zu den Gründern gehörten unter anderem Alard Beck, Josef Gietemann sowie Willem van het Hekke, der die Zusammenarbeit über viele Jahre organisatorisch begleitet habe. Aus einem kleinen Gesprächskreis sei inzwischen ein fest etabliertes Netzwerk entstanden, das den europäischen Gedanken in der Grenzregion lebendig halte.
Geier (MdEP): Kritik an Grenzkontrollen
Im Mittelpunkt des politischen Teils standen aktuelle Herausforderungen für Europa. Der Europaabgeordnete Jens Geier MdEP kritisierte die anhaltenden Grenzkontrollen auf deutscher Seite und sprach sich für eine engere europäische Zusammenarbeit aus. Angesichts geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Abhängigkeiten brauche Europa mehr gemeinsame Handlungsfähigkeit. Angesichts der Bedrohungen durch Putin und Trump sowie des wirtschaftlichen Drucks durch China brauche es eine stärkere, engere Zusammenarbeit innerhalb der EU. Zudem betonte Geier die strategische Bedeutung erneuerbarer Energien für die Zukunft Europas.
Der Landtagsabgeordnete René Schneider MdL warb für Mut und Haltung gegen populistische Tendenzen. Er mahnte, man dürfe nicht verzagt sein! Als progressive Kraft müsse man für seine Ideale einstehen und sich gegen populistische Tendenzen wehren. Progressive Politik müsse klar für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und europäische Zusammenarbeit eintreten. Auch Judith Tenbusch, Mitglied der Provinciale Staten von Gelderland, unterstrich, wie wichtig es sei, junge Menschen stärker einzubeziehen. Ein offenes und demokratisches Europa sei in diesen Zeiten leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Positiv hob sie hervor, dass im „Overleg“ bereits die Jong Socialisten aktiv eingebunden seien.
Grenzlandeuropäer 2026: Paul Remy
Ein emotionaler Höhepunkt des Nachmittags war die Verleihung der Ehrennadel „Grenzlandeuropäer 2026“ an Paul Remy und den Heimatkundeverein „Die Düffel“. Die Laudatio hielten Josef Gietemann und Thieu Hoeken in deutscher und niederländischer Sprache.
Darin wurde insbesondere Remys jahrzehntelanges Engagement für Heimatgeschichte, Kultur und grenzüberschreitende Zusammenarbeit gewürdigt. Seit 1985 engagiert sich Remy im Heemkundekring „De Duffelt“, zunächst viele Jahre als Schatzmeister und seit 2018 als Vorsitzender. Unter seiner Mitwirkung entstanden zahlreiche Publikationen, Dokumentationen und kulturelle Projekte zur Geschichte der Düffelregion zwischen Kleve und Nijmegen.
Besonders hervorgehoben wurde sein Einsatz für die Sicherung und Neuordnung des Vereinsarchivs in Ooij. Dort konnten historische Dokumente, Bücher und Sammlungen dauerhaft gesichert und professionell untergebracht werden. Zugleich habe Remy wesentlich dazu beigetragen, den Verein als anerkannten Ansprechpartner für Kommunen, Museen, Wissenschaft und Kulturpartner in der Grenzregion weiterzuentwickeln.
Europa beginnt zwischen den Menschen
In der Laudatio hieß es, Paul Remy verstehe Europa nicht als abstrakte Idee, sondern als gelebte Alltagserfahrung: „Europa beginnt nicht irgendwo in Verträgen, sondern zwischen Menschen, die einander zuhören und gemeinsam Verantwortung übernehmen.“
Paul Remy dankte anschließend seiner Familie, den Mitstreitern des Heimatkundevereins sowie allen Ehrenamtlichen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit möglich machten. Besonders hob er hervor, dass die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden tägliches Engagement, gegenseitiges Verständnis und Geduld erfordere.
Zum Abschluss betonte Niklas Lichtenberger, Fraktionsvorsitzender von SPD/Volt Kleve, die besondere Bedeutung Europas gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Spannungen. Der Europatag habe erneut gezeigt, wie wichtig persönliche Begegnungen und grenzüberschreitender Austausch für den Zusammenhalt in Europa seien.
Europatag 2026 (Fotos: Torsten Barthel)



















