Bürgermeisterkandidatin Sonja Northing – Die Bewerbungsrede

So stellte sich Sonja Northing den Mitgliedern von SPD, FDP und Offenen Klevern am Dienstag, 12. Mai in der Wasserburg Rindern vor.

MVO_9970fff

Hier die Rede im Wortlaut:

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ von Vaclav Havel

Guten Abend.

Mein Name ist Sonja Northing und ich bin gewiss, dass dieser Abend Sinn macht. Ich bin voller Zuversicht und Optimismus, dass Kleve eine gute Zukunft wählt. In diesem Sinne begrüße ich Sie/Euch alle herzlich.

Ich möchte Teil dieser Zukunft sein und erzähle nun meine eigene Geschichte: 1968 in Kleve als Sonja Derith geboren, aufgewachsen in Donsbrüggen. Schon in der ersten Klasse in der Grundschule lernte man schnell, sich durchzusetzen. Ich sag nur: 8 Mädchen und 21 Jungen. Und wir waren gleichberechtigt!

Nachmittags spielten wir wild draußen und die kleine Sonja wurde Bandenchefin. Zuhause wurden meine ältere Schwester Silvia und ich mit viel Liebe und Humor erzogen.

MVO_9802fff

Fünf Werte meiner Eltern, die mich für immer geprägt haben: „Du musst nicht alles wissen und können, du musst dir nur zu helfen wissen“

Grundsatz Nr. 1 – Halte eine Lösung für möglich, suche und finde sie und vertraue dabei auf die Hilfe anderer.

Grundsatz Nr. 2: „Kind, mach es mal mit Freude, denn du musst es ja doch tun – Beim Abtrocknen von Geschirr kam das gerne zum Einsatz Pflichterfüllung mit Optimismus und Freude gepaart

Der dritte wichtige Wert: „Lügen, stehlen, Kinderheim“ Ehrlichkeit bedingt Glaubwürdigkeit

Grundsatz Nr. 4: „Wenn du auf jemanden zeigst, zeigen dabei drei Finger auf dich selbst“ Die Verantwortung liegt bei dir selbst und suche nicht die Schuld bei anderen

Und sehr wichtig!

Schau morgens und abends in den Spiegel, und wenn du das kannst, ist alles gut

Gib alles, das reicht.

In den so geschnürten Werterucksack kam noch das Gefühl der Dankbarkeit.

Die Freude, dass man es besser hatte, in einer Demokratie leben zu dürfen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu haben, in den Genuss guter Schulbildung zu kommen und gleichberechtigt aufzuwachsen.

Diese von anderen errungenen Werte hoch zu halten und sie aktiv zu leben, bestimmte folgerichtig dann meinen beruflichen Werdegang.

Vorbilder waren sicherlich mein Vater, Werner Derith, der bei der Stadtverwaltung arbeitete und mein Großvater, Johann Derith, der Bürgermeister von Donsbrüggen war. Bürgermeister Karl Thelosen gehörte als Cousin meiner Mutter, Hedwig Derith auch zu meiner Familie.

Politik ist mir also nicht fremd.

Nach dem Abitur am Johanna Sebus Gymnasium wurde ich Inspektoranwärterin bei der Stadt Kleve. Ein Studium des öffentlichen Rechts kombiniert mit betriebswirtschaftlichen Aspekten und einem Praxisanteil in der Verwaltung hier vor Ort. Perfekt für mich, mich hier in Kleve in das Gemeinwesen einzubringen!

Meinen damaligen Eid auf die freiheitlich, demokratische Grundordnung habe ich bis heute durchgängig gehalten. Darauf bin ich stolz!

Mein Vater starb 1982 plötzlich und mit 50 Jahren viel zu früh, meine Mutter folgte ihm kurz vor Ende meiner Ausbildung als ich 21 Jahre alt war. Zur Selbständigkeit erzogen, habe ich diese Krisen gemeistert und mein Lachen Dank meiner Familie und meiner Freunde nie verloren. Nach einer kurzen Zeit als Referentin des damaligen Stadtdirektors Manfred Palmen, ging ich gerne ins Sozialamt. Als erste weibliche Leistungssachbearbeiterin in eine Männerdomäne.

Auch hier stand ich meinen Mann bzw. Frau. Sinnhaft helfen zu können, direkt mit Menschen zu arbeiten auch wenn es manchmal heiß herging, fand ich gut. Dort traf ich auch auf einen besonderen Menschenschlag. Meine Kolleginnen und Kollegen, die ich bis heute schätze, weil sie ihre Arbeit immer mit einer ehrenwerten, sozialen Haltung verrichtet haben und es Ihnen selten gedankt wurde. Mit vielen arbeite ich auch heute noch zusammen und sie sind heute Abend hier um mich zu unterstützen.

Ich galt schon immer als eigensinnig und eigenwillig.

Möglicherweise auch weil ich mich maßgeblich für eine Arbeitsplatzuntersuchung zur Schaffung besserer organisatorischer Rahmenbedingungen im Sozialamt einsetzte. Hier lernte ich mittelbar Personalratsarbeit kennen und achten.

Bis heute ist meine Nähe dafür erhalten geblieben und meine leidenschaftliche Art mich zu engagieren.

Kennen Sie den Film „Kleve – Einmal erster Klasse“? Ein Film zur 750 Jahr Feier der Stadt Kleve. Karl Kisters, Michael Kerst, Klaus van Briel um nur einige Namen zu nennen, ließen mich mitmachen.

Wer auf die 80/90 er Jahre steht, unbedingt nochmal rein sehen. Ich in jung! Fröhlich!

1995 kam ich zur Volkshochschule. Als Verwaltungsleiterin war ich Bindeglied zwischen den pädagogischen Mitarbeitern und der Verwaltung. Konsens herstellen, Verständnis für eine andere Sichtweise haben, koordinieren und organisieren lernte ich dort.

Teamorientiert führte ich das Verwaltungsteam ohne direkte Weisungsbefugnisse zu haben. Also zählten nur gute Argumente und keine Hierarchie. Eine gute Erfahrung, die ich auch heute mit 80 Kolleginnen und Kollegen nutze. Kooperativer Führungsstil – was sonst?

In den Jahren 2004 bis 2009 verschaffte ich mir als Rechnungsprüferin einen guten Überblick über die Gesamtverwaltung. Mein Prüfauftrag reichte vom Museum, über Vergaben für Feuerwehrautos zu Dienstleistungen für die Offene Ganztagsbetreuung, zur Ausstattung von Schulen, Prüfung der Kassengeschäfte und der Kämmerei, den Umweltbetrieben, der Sozialhilfe und vieles mehr.

Offene Kommunikation ist Voraussetzung einer wertschätzenden Fehlerkultur. Wo gehobelt wird, fallen auch Späne. Und wir sind alles Menschen und keine Roboter. Aus Fehlern lernt man. Punkt!

Während dieser Lernprozesse wurde am 14.06.2006 am Tag des Fußballspiels Deutschland gegen Polen (das Siegtor fiel in der 1. Minute der Nachspielzeit durch Oliver Neuville) aus Sonja Derith – Sonja Northing.

Mein persönliches Sommermärchen, welches seit 20 Jahren währt; meine wundervolle Stieftochter Eileen bekam ich direkt mitgeliefert. Ich bin glücklich verheiratet und mein Mann Achim sieht das auch so!

MVO_9843fff

Bestätigen können das aber auch unsere lieben Freundinnen und Freunde, die heute Abend natürlich auch hier sind um mich wie immer zu unterstützen. Euer Zuspruch, Euer Glaube an mich und Eure tatkräftige Unterstützung (Hundesitten, putzen, Gartenarbeit und noch vieles mehr) haben mir die Kraft und den Freiraum gegeben, 2009 Leiterin des Fachbereichs Arbeit und Soziales zu werden.

Dafür nochmals Danke!

Ich führe mein Team mit Liebe, klar und deutlich. Wir sind insgesamt 10 Führungskräfte im Team. Ich vertraue meinen Mitarbeitern und bin auf ihre Fähigkeiten angewiesen. Insofern schaffe ich gute Rahmenbedingungen um eine qualitative und effiziente Bearbeitung zu gewährleisen. Meine Kolleginnen und Kollegen werden stetig informiert und geschult. Ich bin für sie da. Meine Türe steht für sie auf.

Als erstes habe ich ein durchgängiges Besprechungsmanagement eingeführt, welches sich nicht als Einbahnstraße „von oben nach unten“ versteht. So kann jeder sich einbringen und Verbesserungsvorschläge machen. Dies ist nicht nur erlaubt, sondern wird gewünscht und eingefordert. Die Öffnungszeiten wurden gemeinsam sowohl bürger- als auch mitarbeiterfreundlich geändert.

Eine eigene Abteilung „Fallmanagement/Arbeitsvermittlung“ wurde aufgebaut. Sowie eine Organisationseinheit „Bildung und Teilhabe“. Unter meiner Federführung wurde ein umfassendes Sicherheitskonzept für die Fachbereiche Jugend und Familie und Arbeit und Soziales entwickelt. Gute Rahmenbedingungen führen zur Mitarbeiterzufriedenheit und dieses ist wichtigste Voraussetzung für eine serviceorientierte, bürgernahe Verwaltung.

Sollten mich die Klever zu ihrer ersten weiblichen Bürgermeisterin wählen, werde ich diese Thematik forciert angehen.

Dass ich den Bürger, den Souverän achte und ernst nehme, habe ich in den letzten fünf Jahren im Sozialausschuss bewiesen. Dort stelle ich die Arbeit im sozialen Bereich umfassend dar und informiere über Neuerungen und Ziele. Gemeinsam wird mit allen Politikern, egal welcher Partei lösungsorientiert gearbeitet. Gezankt wurde nie. Ich finde, das spricht für sich. Dies dürfte auch einer der Gründe gewesen sein, mich zu fragen, ob ich mir vorstellen könnte, mich als Kandidatin für das Bürgermeisteramt zu bewerben.

MVO_9833fff

Ohne Ihre Idee des gemeinsamen Kandidaten, hätte mich die Anfrage nicht gereizt. Diese Idee des Gemeinsamen, alle Blickwinkel zu einem Ganzen zu einen, entspricht meiner Überparteilichkeit. So trafen Idee und Person aufeinander.

Mutig präsentierte ich mich authentisch in der Findungskommission. Dort traf ich auf ehrenwerte, engagierte und herzliche Menschen. Diese hatten sich auf diesen neuen Weg begeben um gemeinsam über Parteigrenzen hinweg dem Wohl der Stadt zu dienen. Ich habe mich dort direkt zuhause gefühlt. Es fühlte sich einfach „richtig“ an.

Mögliche Zweifel meinerseits hat es seither nicht gegeben, von Rücktrittsabsichten ganz zu schweigen.

Ich blicke nach vorne und vertraue auf alle Menschen, die mich unterstützen. Ich bin nicht alleine, im Gegenteil. Ich erhalte so viel Zuspruch.

Immer wieder zugefasst in dem einen Satz: „Du schaffst das!“.

Ich kann nicht mit jahrelanger Ratsarbeit aufwarten. Aber meine scheinbare Schwäche wird eine große Stärke sein. Unvoreingenommen, die Dinge und vor allem die Menschen neu zu betrachten, wäre für alle eine neue Chance.

Man sagt: Ich kann mich schnell und zügig informieren, mich beraten lassen, mich einarbeiten, repräsentieren, verbinden, moderieren, motivieren, begeistern und letztendlich auch Entscheidungen treffen.

Ich übernehme Verantwortung. Mit der richtigen Haltung, der richtigen Vorgehensweise können dann die Sachthemen nach Priorität abgearbeitet werden. Der Mensch muss dabei nicht in den Mittelpunkt gerückt werden. Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Nur um einige Dinge zu benennen, die mir und ich denke vielen Bürgern am Herzen liegen bzw. unter den Nägeln brennen. Der Verkehr in der Stadt nimmt immer mehr zu. Erst dachte man, die Baustellen sind schuld. Das legt sich wieder. Doch leider nein. Die Straßen sind besonders zu den Hauptverkehrszeiten verstopft. Ich arbeite in der Oberstadt und wohne in der Unterstadt. 25 Minuten sind da nichts. Kleve braucht ein umfassendes und wirksames Verkehrskonzept. Insellösungen wie das Radwegekonzept und das Parkraumbewirtschaftungskonzept bleiben Stückwerk. Der Gesamtzusammenhang muss hergestellt werden. Es geht nicht das eine ohne das andere. Die Stadt Siegburg mit 40.000 Einwohnern hat dies bereits gemacht. Ausgehend von einer Istbestandsanalyse über eine Bedarfsabfrage bei Bürgern und Gewerbetreibenden, einer Verkehrsprognose wurden Teilkonzepte, die ineinander greifen, entwickelt. Der motorisierte Individualverkehr, wurde wie der ÖPNV in Gänze betrachtet. Ein Fahrradkonzept fand die gleiche Berechtigung wie das Fußwegekonzept und das Thema Parkraum fand Berücksichtigung. Im Gesamtkonzept werden zukunftsfähige Lösungen angeboten. Nach Wichtigkeit werden die Ergebnisse kurzfristig, mittelfristig und langfristig umgesetzt und dienen nicht nur jedem Bürger, sondern vor allem dem Wirtschaftsstandort. Wir sollten von Besseren lernen.

Die Klever Schulen sind ein wichtiges Thema um das sich jetzt alle sehr bemühen. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Die Vielfalt der angebotenen Schulformen muss oberstes Ziel sein. Aber nicht nur die konsequente Umsetzung der Baumaßnahmen muss im Fokus stehen. Die flexible und bedarfsgerechte Betreuung der Schüler muss optimiert werden. Dabei muss verstärkt auf die Qualität der Betreuungsangebote eingegangen werden. Das gleiche gilt für die Randzeiten bei der Kindergartenbetreuung. Für die Kinder von berufstätigen Eltern muss es auch außerhalb der Regelzeiten ein flexibles Betreuungsangebot geben. Diese Aufgaben sind fachbereichsübergreifend zu steuern und zu koordinieren. Auch hier würde ich mich auf die Kompetenz der entsprechenden Fachbereiche verlassen.

Nun ein eigener Wunsch, mehr Vision für die Zukunft, in Abhängigkeit der Finanzlage. Schön wäre es, wenn in Kleve noch mehr los wäre. Aufbauend auf die vorhandene Kulturszene sollte die Kleinkunst gestärkt werden. Musik überwindet alle Grenzen. Darf ich mir ein Kulturzentrum ähnlich dem „doornroosje“ in Nijmegen in natürlich kleinerer Form wünschen. Dies soll aber nur ein kleiner Auszug der Ideen sein.

Exemplarisch sozusagen, nicht abschließend zu verstehen. Nicht das morgen in den Medien steht, Frau Northing hält ein umfangreiches 3-Punkte Programm bereit.

Nach diesem Abend wird mit Ihrer Unterstützung ein gemeinsames Programm ausgearbeitet. Und ich freue mich auf Besuche in den Ortsteilen. Dort werden mich die Menschen kennenlernen und wir werden ins Gespräch kommen. Donnerstag, Christi-Himmelfahrt geht es los. Griethausen, Düffelward und dann Keeken. Vielleicht sehen wir uns.

Ich habe die Zuversicht als Bürgermeisterin von Kleve viel bewegen zu können, unsere Stadt weiter voranzubringen, in die Zukunft zu führen.

Dabei soll die politische Arbeit in der Stadt transparenter, moderner und sachgerechter gestaltet werden, gemeinsam mit dem Rat kreativ, partnerschaftlich und erfolgreich.

Die Klever Bürger sind so interessiert wie noch nie, sich in alle Belange einzubringen. Das sollten wir nutzen.

Eine neue, lebendige politische Kultur, eine konstruktive Zusammenarbeit aller, im Stadtrat, zwischen den Fraktionen, mit der Verwaltung, mit den Bürgerinnen und Bürgern und einer Bürgermeisterin, die den offenen Dialog sucht und den fairen Umgang pflegt, mit allen. Es braucht vielleicht Zeit, aber es wird gelingen. Ich bin mir sicher!

Ich bin bereit. Und ich verspreche, mit Herz und Verstand alles zu geben: Offen, klar und herzlich!

Vielen Dank, dass ich mich heute als parteilose Bewerberin um die Kandidatur zum Bürgermeisteramt vorstellen durfte. Und jetzt würde ich gerne von Ihnen demokratisch legitimiert werden.

Es wäre mir eine Ehre. Danke.“

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.